„Eine Verantwortungsgemeinschaft für mehr Inklusion“
- Podiumsgespräch zu Inklusion in den regionalen Kommunen beim Jahresempfang der Lebenshilfe Heidelberg
- Inklusive Podcast-Reihe mit dem Kurpfälzischen Museum vorgestellt
Heidelberg, 20.04.2026. Wie steht es um Inklusion und Teilhabe für Menschen mit Unterstützungsbedarf? Mit einer prominent besetzten Diskussionsrunde, die einen besonderen Fokus auf die Teilhabemöglichkeiten in den regionalen Kommunen legte, stellte die Lebenshilfe Heidelberg e.V. das Thema in den Mittelpunkt ihres diesjährigen Jahresempfangs. Darüber hinaus wurde als besonders anschauliches Beispiel für gelebte Teilhabe ein inklusives Podcast-Projekt mit dem Kurpfälzischen Museum vorgestellt. Eingeladen zu der Veranstaltung hatte der Verein auch in diesem Jahr gemeinsam mit der Stiftung Lebenshilfe Heidelberg.
Rund 140 Gäste fanden den Weg in die Cafeteria der Werkstatt in Heidelberg-Rohrbach, um die Podiumsdiskussion zu verfolgen, das innovative Kunstprojekt kennenzulernen und um sich im Anschluss in geselliger Runde mit interessierten Gleichgesinnten, Kooperationspartnern und Vertretern unterschiedlicher gesellschaftlicher Akteure auszutauschen. Sie alle wurden vom Vorstandsvorsitzenden Winfried Monz herzlich begrüßt und vorgestellt.
Moderiert von Michael Mauter, Selbstvertreter im Aufsichtsrat, und der Aufsichtsratsvorsitzenden Prof. Dr. Stefanie Köb wurde im Podiumsgespräch über Erfolge, Herausforderungen und zukünftige Chancen für gelungene Inklusion diskutiert. Aus ihrer jeweils spezifischen Perspektive brachten dabei die Heidelberger Sozialbürgermeisterin Stefanie Jansen, die Professorin Dr. Karin Terfloth von der Pädagogischen Hochschule, Fabian Scheffczyk, Sozialdezernent des Rhein-Neckar-Kreises, und Hakan Günes, Bürgermeister von Sandhausen, viele spannende Positionen ein.
Bereits viele Erfolge erzielt
Bei der Frage, was sich bei der Inklusion in den letzten Jahren verbessert habe, waren sich die Gesprächsteilnehmer einig, dass bereits viele Erfolge erzielt werden konnten: von einer allgemeinen Mindset-Änderung, insbesondere auch am Arbeitsmarkt, über viele neue Konzepte in der Bildung bis hin zu alltäglichen Erleichterungen wie barrierefreien Bushaltestellen. So berichtete etwa Hakan Günes von einem Praktikum, das ein junger Mensch mit Down Syndrom ganz selbstverständlich in seiner Gemeindeverwaltung absolvieren konnte. Und, so Stefanie Jansen: Auch das Ziel der Inklusion sei mittlerweile fest in der Mitte der Gesellschaft angekommen.
Herausforderungen im Blick
Gleichzeitig – auch hier stimmten alle Diskutanten zu – gibt nach wie vor viele Herausforderungen, die aktuell angegangen werden müssen. Vor allem rücke gerade in der letzten Zeit eine Sorge immer stärker in den Mittelpunkt, wie Karin Terfloth betonte: Die Frage, ob das, was in der UN-Behindertenrechtskonvention als Menschenrecht festgeschrieben ist, noch in die gesellschaftliche Stimmung passe. Denn: Je sichtbarer Inklusion werde, umso mehr tauchten auch Fragen nach Verteilungsgerechtigkeit auf. Hierauf, so Stefanie Jansen, müsse insbesondere auch mit einem weiteren Fokus auf strukturelle Maßnahmen reagiert werden, mit denen Inklusion im Gesamtsystem abgebildet werde. Als Beispiele nannte sie etwa das Bereitstellen von Schulbegleitung direkt aus dem System der Schule heraus oder den Einsatz von Heilpädagogen und Heilpädagoginnen als festen Bestandteil der Kita-Teams.
Mit einer gemeinsamen Stimme sprechen
Bei vielen Betroffenen stehe, so betonte Michael Mauter, aber auch zunehmend die konkrete Angst im Raum, dass Leistungen gekürzt werden könnten. Hintergrund ist, dass, wie Sozialdezernent Fabian Scheffczyk darlegte, ein reines „Weiter so“ nach den hohen Ausgaben, die durch die Umstellung auf das neue Bundesteilhabegesetz verursacht wurden, in den kommenden Jahren kaum möglich sein wird. Dennoch herrschte auch hier Konsens in einem Punkt: Wenn darüber diskutiert werde, ob man sich den "Sozialstaat noch leisten kann", müsse dringend darauf geachtet werden, dass die Teilhabe von Menschen mit Behinderung nicht ins Hintertreffen gerate.
Erreicht werden könne dies vor allem dadurch, dass alle Beteiligten mit einer einheitlichen und vor allem auch lauten Stimme in Richtung Bund sprechen und sich, so Bürgermeisterin Jansen, „als eine Verantwortungsgemeinschaft verstehen“. Hierbei müsse insbesondere auch weiterhin im Blick bleiben, dass die Politik nicht nur für, sondern auch mit den Menschen mit Behinderung gestaltet werde, ergänzte Prof. Karin Terfloth. Das übergeordnete Ziel hierbei: Zu eruieren, wo etwa noch weiter an Bürokratie gespart werden könne, ohne an den Leistungen Kürzungen vorzunehmen.
Blick in die Zukunft
Und ganz konkret? Was wäre in fünf Jahren ein toller Erfolg, wenn die Runde wieder so zusammenkommen würde? In Sandhausen würde es dann eine inklusive Ganztagesschule geben, so etwa Hakan Günes. Und, noch weitergedacht: Ein besonderer Erfolg sei es, wenn in fünf Jahren ein Mensch mit Behinderung in der Stadt die Entscheidungen auf dem Gebiet der Inklusion selbst treffen würde, so Bürgermeisterin Jansen.
Museum lauschen: Ein inklusiver Podcast
Im Anschluss an die Diskussionsrunde stellten Eva Wick und Annina Seele vom Kurpfälzischen Museum gemeinsam mit der Lebenshilfe-Kunsttherapeutin Barbara Schmidt und den beteiligten Künstlerinnen und Künstlern der Gruppe lebensKUNST ein besonderes Projekt vor: den inklusiven Podcast „Museum lauschen“.
Mehrere Folgen der erfolgreichen Podcast-Reihe wurden in einem Projekt, das allen Beteiligten viel Freude bereitete, gemeinsam produziert. Hierbei ging es um die Wirkung von Bildern, um die Entwicklung der Malerei und um persönliche Erfahrungen mit der Kunst. Die Teilnehmenden mit Behinderung, die allesamt selbst künstlerisch aktiv sind, steuerten in Gesprächen einen lebendigen Austausch zu den Themen „Heidelberg – Bilder unserer Stadt“, „Starke Farben – starke Bilder“ und „Porträts – Menschen im Bild“ bei. Auf dem Jahresempfang ließen die Künstlerinnen und Künstler dies gemeinsam mit den beiden Macherinnen noch einmal Revue passieren.
Umrahmt wurde die bunte und unterhaltsame Präsentation von zwei Stücken der Konzertviolinistin Antonina Preuß, die auch im Podcast die Gespräche musikalisch begleitete und die Kunst zum Klingen brachte.
Pressekontakt:
Katrin Kanellos
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Lebenshilfe Heidelberg e.V.
Tel.: (06221) 339 23-13
E-Mail: katrin.kanellos(at)lebenshilfe-heidelberg.de

