Teilhabe und Selbstbestimmung

Weitere Informationen zu den Themen Teilhabe und Selbstbestimmung finden Sie auf der Website der Bundesvereinigung Lebenshilfe.

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"Nicht ohne uns über uns"

Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung sollen als vollwertige Mitglieder am Leben in der Gesellschaft teilnehmen können. Dafür setzt die Lebenshilfe sich ein. Dazu gehört auch, dass sie selbst über ihr Leben bestimmen, dass sie selbst entscheiden, wie sie es leben wollen, wo und mit wem sie leben, in welchem Bereich sie arbeiten und wie sie ihre Freizeit verbringen.

Noch vor ein paar Jahrzehnten war es üblich, dass die Mitarbeiter in den Wohngruppen Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung die Handgriffe des täglichen Lebens überwiegend abnahmen. Sie wuschen sie und zogen sie an, stellten ihnen das Essen hin. So ging es schneller. Doch mit den Jahren wurde immer mehr Wert darauf gelegt, die Selbstständigkeit der Menschen zu fördern. Zunehmend setzte sich der Gedanke durch, dass man Menschen mit Behinderung nicht alles abnehmen sollte – weder die Handgriffe des täglichen Lebens, noch die Entscheidung, wie sie es führen möchten.

Jahrelange rechtliche Entmündigung

Jahrzehntelang waren Menschen mit geistiger Behinderung rechtlich entmündigt, wichtige Rechte wurden ihnen vorenthalten, etwa das Wahlrecht und das Recht auf Eheschließung. Erst 1992 trat ein Gesetz in Kraft, das das änderte. Nun wurde dem Selbstbestimmungsrecht behinderter Menschen Vorrang eingeräumt.

Eine wesentliche Grundlage hierfür ist das Sozialgesetzbuch IX. Es zielt ab auf die „Selbstbestimmung und gesellschaftliche Teilhabe“ behinderter Menschen. In diesem Gesetzestext wird der Mensch mit Behinderung nicht alleine durch seine Beeinträchtigung gekennzeichnet. Der Gesetzgeber geht davon aus, dass – trotz der besonderen Herausforderungen – mit entsprechender Unterstützung ein selbstbestimmtes Leben mitten in der Gesellschaft auch für Menschen mit Behinderung Realität sein kann.

Dafür setzen sich zunehmend auch Menschen mit geistiger Behinderung selbst ein: „Nicht ohne uns über uns“, lautet eine ihrer Forderungen. Sie wollen gefragt werden, wenn es um ihre Belange geht, sie wollen selbst entscheiden. Sie sind zum Beispiel selbst bei Fördergesprächen mit Kostenträgern dabei und vertreten ihre Interessen etwa im Heimbeirat oder im Werkstattrat.


„Wir wissen am besten, was für uns richtig ist”

Heimbeiräte und Werkstatträte setzen sich für die Interessen ihrer Kollegen und Mitbewohner ein

Wie schnell darf ein Ampel-Signal am Fußgängerüberweg vor einem Haus umspringen? Wie groß muss ein Waschraum sein? Wie soll das Jubiläum der Lebenshilfe gefeiert werden? Wie hoch ist der Lohn in der Werkstatt und was gibt es in der Kantine zu essen? Menschen mit Behinderung nehmen Einfluss auf die Gestaltung ihrer Umwelt. Und sie haben das Recht dazu. Das ist gesetzlich festgelegt.

Zwei Frauen, die im Heimbeirat des Wohnstättenverbundes sind, und drei Werkstatträte der Heidelberger Werkstätten erklären, warum diese Mitbestimmung wichtig ist, und welche Schwierigkeiten sie manchmal damit haben ... Weiterlesen im PDF-Download