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Für weitere Informationen über die Seniorengruppe wenden Sie sich bitte an den Wohnstättenverbund


Freiburger Straße 70
69126 Heidelberg
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In Würde alt werden

„Früher gab es keine alten Menschen mit Behinderung“, erklärt Prof. Dr. Manfred Müller-Küppers, der vor 50 Jahren die Lebenshilfe Heidelberg mit gegründet hat. Ein Grund dafür ist die sogenannte „Euthanasie“, die vieltausendfache Ermordung von Menschen mit Behinderung in der Zeit, in der in Deutschland die Nationalsozialisten herrschten.

Dass Menschen mit geistiger Behinderung heute fast genauso alt werden wie Menschen ohne Behinderung, ist auch der besseren medizinischen Versorgung und der umfassenden
Förderung zu verdanken. Doch stellt diese Tatsache alle Dienste und Organisationen, die Menschen mit Behinderung begleiten, vor neue Herausforderungen: Sie müssen sich die Frage stellen, wie diese Menschen ihren Lebensabend gestalten können.

Die Grundbedürfnisse aller alten Menschen sind die gleichen, egal ob sie eine Behinderung haben oder nicht, davon ist die Lebenshilfe überzeugt: Sie wollen nicht isoliert leben, sondern in ihrer vertrauten Umgebung. Sie wollen Menschen um sich haben, die sie kennen. Sie brauchen Hilfe bei der Strukturierung ihres Tagesablaufs und bei der Gestaltung ihrer Freizeit. Wenn sie krank werden und Pflege brauchen oder wenn sie im Sterben liegen, möchten sie von vertrauten Menschen begleitet werden.

1990 formulierte die Bundesvereinigung Lebenshilfe in ihrem Grundsatzprogramm: „Geistig behinderte Menschen haben das Recht, ihr Alter nach ihren Bedürfnissen zu gestalten. Die Lebenshilfe hat die Pflicht, entsprechende Angebote vorzuhalten oder notwendige Hilfen zu vermitteln.“


Den Lebensabend gestalten

Die Seniorengruppe bei der Lebenshilfe Heidelberg

Dieter Schreckenberger lebt in einer Außenwohngruppe. An seinen freien Tagen bummelt er durch die Stadt, schaut sich Läden an. Sonst trifft er sich mit alten Klassenkameraden oder spielt Ziehharmonika. Den Tag über ist Dieter Schreckenberger in der Wohnstätte in Heidelberg in der Seniorengruppe – einer „tagesstrukturierenden Maßnahme“ für Menschen, die nicht mehr arbeiten.

Seit 2002 gibt es diese Gruppe. 14 Menschen werden hier gerade begleitet, sie bekommen Assistenz bei allen Dingen des Alltags, wenn sie sie brauchen. Sie werden auch dabei unterstützt, sich im neuen Lebensabschnitt zurecht zu finden.

„Sie haben ein Leben lang gearbeitet“, erklärt Esther Zoz, eine von drei Heilerziehungspflegern, die in der Seniorengruppe arbeiten. „Jetzt wollen wir ihnen noch etwas bieten.“ Sie gehen mit den Senioren spazieren, machen Sport mit ihnen, um zu verhindern, dass die Beweglichkeit nachlässt. Sie basteln und singen Lieder, damit das Liedgut erhalten bleibt. Beim Kuchenbacken fragen die Betreuer die Zutaten ab.

Die Vergesslichkeit vieler hier empfindet Esther Zoz als Belastung. Zu ihrer normalen Arbeit, der Begleitung von Menschen mit geistiger Behinderung, kommt ein neuer Aspekt hinzu: die Demenz. Immer wieder muss sie sich neu darauf einstellen, welche Unterstützung der eine oder andere gerade braucht. Dinge, die er mühsam geübt hat, vergisst er sofort wieder. Alles muss man immer wieder wiederholen. Aufhalten lässt sich dieser Prozess trotzdem nicht. „Irgendwann bist du wirklich hilflos“, meint Ester Zoz.