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"Hier bin ich geboren, hier wohne ich"

Dieter Schreckenberger ist fest verwurzelt in seinem Stadtteil. Er macht Musik auf den Festen, er kennt die Menschen, er wohnt in einem normalen Haus mitten in der Stadt

„Ich bin ein Handschuhsheimer“, sagt Dieter Schreckenberger, 65 Jahre alt. Gemeinsam mit zwei Frauen und einem Mann lebt er in einer Wohnung in einem Mietshaus mitten in dem Stadtteil, in dem er aufgewachsen ist. Er kennt die Leute hier, er weiß, wo er einkaufen kann, wo der Arzt ist.

Dieter Schreckenberger lebt gerne hier. „Die Wohnung ist schön“, erklärt er, „die Zimmer auch.“ Seine Mitbewohner sind Freunde für ihn. Manchmal gehen sie abends zusammen aus. Morgens macht er Kaffee, bevor sie alle gemeinsam frühstücken.

Früher hat Dieter Schreckenberger in den Heidelberger Werkstätten gearbeitet. Nun ist er im Ruhestand. Morgens fährt er mit der Straßenbahn in die Wohnstätte Heidelberg und verbringt dort den Tag in der Senioren-Gruppe. An seinen freien Tagen schlendert er durch die Stadt, schaut sich die Auslagen der Geschäfte an. Vor Kurzem hatte er ein Klassentreffen, die Woche darauf goldene Konfirmation. „Ich bin meistens nicht zu Hause“, sagt er.

Er kann den Mitarbeiter immer anrufen. Das beruhigt.

Jeden Nachmittag kommt Rudi Kurz in die Wohnung, ein pädagogisch-pflegerischer Mitarbeiter des Wohnstättenverbundes. Er schaut, ob alles in Ordnung ist, unterstützt die Menschen, die hier leben. „Es ist gut, dass er kommt“, sagt Dieter Schreckenberger. Er weiß, dass er Rudi Kurz immer anrufen kann, wenn es ein Problem gibt. Zur Not auch nachts. Das beruhigt.

Rudi Kurz begleitet die vier Menschen in der Außenwohngruppe in ihrem Alltag. Manchmal machen sie alle gemeinsam einen Ausflug, gehen kegeln oder  wandern. An anderen Tagen putzen sie die Zimmer, überlegen, was sie essen wollen. Jeder ist mal dran mit einkaufen und kochen. Einer kümmert sich um die Wäsche.

Alleine kann man mehr entscheiden

Bevor Dieter Schreckenberger hier eingezogen ist, hat er bei seiner Familie gelebt. Da sei es ein bisschen strenger gewesen, meint er. „Alleine kann man mehr selbst entscheiden.“  Die Möbel etwa, die in seinem Zimmer stehen, hat er selbst ausgesucht. Auch was er in seiner Freizeit macht, ist nun mehr ihm überlassen. Dieter Schreckenberger spielt Ziehharmonika, Mundharmonika und Orgel. Er hat es sich selbst beigebracht – ganz ohne Noten. In der Schule, in der seine Mutter früher geputzt hat, stand ein Klavier. Da habe er als Junge immer den Schneewalzer gespielt, erzählt er.

Wenn im Stadtteil Kerwe ist oder ein anderes Fest, spielt Dieter Schreckenberger den Menschen dort etwas vor. Volkslieder oder Wanderlieder, was sie gerade hören wollen. Dieser Stadtteil, das ist seine Heimat. Ob er sich vorstellen könnte, woanders zu leben? Er schüttelt den Kopf. „Hier bin ich geboren, hier wohne ich.“ Und auch für die Nachbarn ist das schon lange nichts Besonderes mehr. Manchen fällt überhaupt nicht auf, dass hier Menschen mit Behinderung leben. Andere empfinden das als normal. „Die wohnen schon so lange hier“, sagt eine Frau auf der Straße. „Da wundert sich niemand mehr.“