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"Ich will auf eigenen Füßen stehen"

Seit drei Jahren wohnt Karl-Heinrich Elfner in seiner eigenen Wohnung. Am Anfang war es komisch – aber jetzt fühlt er sich wohl in seiner Männer-WG

Eine alte Arbeitersiedlung in einem Heidelberger Stadtteil. Die schmalen dreistöckigen Häuser in der ruhigen Straße sehen alle gleich aus. Vor einem steht ein junger Mann und wartet. Er ist groß und kräftig, die braunen Haare trägt er kurz geschnitten. Seit drei Jahren wohnt Karl-Heinrich Elfner, 31 Jahre alt, hier zusammen mit zwei anderen Männern. „Eine Männer-WG“, sagt er und grinst.

Meist verstehen sie sich gut, unternehmen etwas zusammen oder gucken Formel 1, erzählt Karl-Heinrich Elfner und führt den Gast an der Küche vorbei ins Wohnzimmer. Eine große Couch steht hier, in einem Käfig lebt Hase Charly, das Maskottchen der WG. Durch die Fenster kann man in den kleinen Garten sehen. Hier haben sie ein Gemüsebeet angelegt. Im Sommer mähen sie den Rasen, im Winter streuen sie Futter ins Vogelhäuschen, das an der großen Tanne hängt.

Karl-Heinrich Elfner muss früh raus. Manchmal gegen 4 Uhr, manchmal noch früher. Er arbeitet bei einem Landwirt. „Wir sammeln Speisereste ein von  Krankenhäusern und von Restaurants. Das bringen wir zu einer Biogas-Halle und da wird das verkocht. Dann wird daraus Strom gemacht und ein ganzer Stadtteil damit versorgt“, erzählt er.

Manchmal hätte er nachmittags lieber seine Ruhe

Gegen 13 Uhr kommt er nach Hause. Meist ist er dann müde und legt sich aufs Sofa vor den Fernseher. „Manchmal kommt dann einer von denen“, sagt Karl-Heinrich Elfner und zeigt lachend auf einen Mitarbeiter der Offenen Hilfen, der ihm gegenüber sitzt. „Meistens wenn ich grad eingeschlafen bin.“

Manchmal hätte er lieber an allen Nachmittagen seine Ruhe. „Aber es ist schon gut, dass sie kommen und gucken, ob alles in Ordnung ist.“ Rein lassen muss er sie sowieso – „sonst krieg ich mein Haushaltsgeld nicht“. Nun lachen sie beide.

Immer montags bekommt Karl-Heinrich Elfner von einem der Assistenten das Haushaltsgeld für die WG. Gemeinsam planen die Männer, was sie die Woche  über essen wollen. Dann gehen sie einkaufen. Jeden Tag kocht Karl-Heinrich Elfner für sich und seine Mitbewohner. Spaghetti macht er, Bratkartoffeln oder Nudelsalat. Wenn Geld übrig ist, kommt es in eine Spardose. Davon gehen sie mal kegeln, in eine Kneipe oder Billard spielen.

Auch am Donnerstag kommt jemand von den Offenen Hilfen vorbei. Dann schauen sie zusammen, ob die Wohnung in Ordnung ist, kümmern sich um die Wäsche. Karl-Heinrich Elfner seufzt ein wenig. „Mit der Wäsche“ – er zögert – „da könnte man schon noch was lernen“, sagt er etwas verlegen. Manchmal vergisst er, die trockene Wäsche vom Ständer zu nehmen. Dann türmen sich die Wäscheberge. „Aber das kriege ich auch noch hin.“

Für die Mutter war es nicht einfach

Er habe schon viel gelernt, meint Karl-Heinrich Elfner. Seine Mutter, bei der er bis vor drei Jahren gelebt hat, hat alle Hausarbeit alleine gemacht. Dass er jetzt in der WG selbst putzen und spülen muss – für ihn ist das in Ordnung. Er freut sich darüber, dass er mehr selbst übernehmen kann.

Für seine Mutter war es nicht schön, als er auszog. „Aber jetzt geht es“, meint Karl-Heinrich Elfner. Auch er selbst sei am Anfang ein bisschen traurig gewesen. „Aber ich bin jetzt 31. Jetzt muss man ja langsam mal auf eigenen Füßen stehen“, meint er. Inzwischen fühlt er sich wohl damit.

Die Mutter wohnt nur ein paar Straßen weiter. An den Wochenenden ist er meist bei ihr. Es war ihm wichtig, im Stadtteil zu bleiben. Hier weiß er, wo welches Geschäft ist, kennt die Menschen. Und er ist in der Nähe der Mutter. Sie ist nun 73 Jahre alt. „Da kann jederzeit etwas passieren“, meint er. Wenn sie anruft, läuft er schnell hin und sieht nach, was los ist.

Karl-Heinrich Elfner führt den Gast eine schmale Treppe hinauf. Im ersten Stock des Häuschens sind die Zimmer seiner Mitbewohner und ein Bad. Eine Etage höher hat Karl-Heinrich Elfner sein Reich. Die Wände des Dachzimmers hat er gelb gestrichen. In einer Gaube, die zum Garten hinausgeht, steht ein Schreibtisch, darauf ein Computer. Hier schaut er DVDs, hört Musik.

Unter einer Schräge steht das Bett, darüber hängt eine rote Ferrari-Fahne, an der Wand gegenüber hängt ein großes Poster mit einem Rennwagen darauf. „Ich habe alles so eingerichtet wie ich es wollte“, sagt er stolz.