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Trotz Handicap den Traumjob im Visier

Desiree Schwarz fühlt sich wohl an ihrem Arbeitsplatz.
  • Wie die Lebenshilfe Heidelberg Menschen mit Behinderung in den allgemeinen Arbeitsmarkt bringt
  • Desiree Schwarz erprobt sich in der Alltagsbegleitung im Seniorenzentrum

Heidelberg, 12.09.2016. Bereits seit sieben Jahren ist die UN-Übereinkunft über die Rechte von Menschen mit Behinderungen in Deutschland in Kraft. Eine der wichtigsten Forderungen: Die gleichberechtigte Teilhabe an Arbeit und Beschäftigung auf einem offenen und inklusiven Arbeitsmarkt soll frei wählbar sein – ein Ziel, das sich auch die Bundesregierung im Entwurf des neuen Bundesteilhabegesetzes auf die Fahnen schreibt. Wie Inklusion in den allgemeinen Arbeitsmarkt aussehen kann, zeigen seit einigen Jahren die Heidelberger Werkstätten der Lebenshilfe. Auch die 25-jährige Desiree Schwarz ist dabei, sich diesen Wunsch zu erfüllen.

Die Arbeit spielt eine wichtige Rolle im Leben eines Menschen. Sie zeigt, dass man dazu gehört, sie steigert das Selbstbewusstsein. Das ist bei Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung nicht anders. Aber wenn es darum geht, den Sprung aus den Werkstätten auf den allgemeinen Arbeitsmarkt zu schaffen, sind speziell für diese Menschen noch immer viele Hürden zu nehmen. Die Heidelberger Werkstätten der Lebenshilfe haben es sich auf die Fahnen geschrieben, hier Abhilfe zu schaffen. „Menschen auf dem Weg zu ihrem Traumjob zu begleiten, ist für uns mehr als nur ein gesetzlicher Auftrag. Jeder, der diesen Wunsch hat, wird – aufbauend auf seinen jeweiligen Voraussetzungen – von uns auf seinem ganz individuellen Weg unterstützt“, erklärt Wolfgang Thon, Leiter der Heidelberger Werkstätten.

Enorme Fortschritte gemacht

Eine junge Frau, die gerade dabei ist, ihren ganz eigenen Weg in Richtung Berufsleben zu verwirklichen, ist Desiree Schwarz. Im Rahmen eines speziell auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenen Praktikums beweist sie sich derzeit im AWO-Seniorenzentrum Im Kranichgarten in Heidelberg-Pfaffengrund.

Hier unterstützt sie die Alltagsbegleiterinnen der Wohngruppe „Schwalbenweg“ bei allen anstehenden Aufgaben: Getränke verteilen, Essen zubereiten und ausgeben, Wäsche richten und sauber machen. „Gerade, was die Kommunikation angeht, hat Desiree enorme Fortschritte gemacht. Sie ist sehr aufmerksam, auch was kleine Details angeht, und das wird auch von den zwölf Bewohnerinnern und Bewohnern der Wohngruppe sehr geschätzt“, freut sich Jasmin Lenski, die die Betreuung und den Sozialbereich des Seniorenzentrums leitet.

Vier Tage die Woche ist Desiree Schwarz im Seniorenzentrum, ein Tag ist für die begleitende Ausbildung im Berufsbildungsbereich (BBB) der Werkstatt vorgesehen. Direkt nach Dienstbeginn um 8 Uhr fotografiert sie den Dienstplan mit ihrem Handy ab, um ihn immer parat und im Blick zu haben und keinen Punkt zu vergessen, etwa das regelmäßige Händedesinfizieren. Hierbei hilft es ihr, dass sie sehr fit im Lesen und im Schreiben ist und sehr strukturiert an ihre Aufgaben herangeht. Dennoch ist kein Tag ist wie der andere und für Abwechslung ist immer gesorgt.

Gerade diese Abwechslung ist es auch, die sich Desiree Schwarz für ihre Berufstätigkeit wünscht. Schon nach den ersten sechs Monaten im BBB stand fest, dass sie es gerne auf dem allgemeinen Arbeitsmerkt versuchen möchte. Zu diesem Zeitpunkt kam der Integrationsassistent Manfred Ripper ins Spiel, der sich bei den Heidelberger Werkstätten darum kümmert, Menschen bei der Umsetzung ihrer individuellen Jobwünschen außerhalb der Werkstatt zu unterstützen. „Gemeinsam mit den Interessenten gehen wir alle Möglichkeiten durch, besprechen Vorlieben, Stärken und auch die Schwächen. Anschließend suche ich gezielt nach einem Praktikumsplatz, bei dem der Mitarbeiter seine Fähigkeiten einbringen kann“, so Ripper.

Unsicherheiten verschwinden, wenn die Leistung stimmt

Bei Desiree Schwarz war gleich klar, dass die Alltagsbetreuung im Pflegeheim genau das Richtige ist. Insgesamt reicht die Bandbreite der vermittelten Praktika vom Kindergarten über den Pferdehof und den Garten- oder Landschaftsbau bis hin zu Einsätzen bei Handwerksbetrieben, Umzugsfirmen oder im Einzelhandel.

Im Anschluss an ein Praktikum steht dann im Idealfall ein auf längere Zeit angelegter Außenarbeitsplatz. Hierbei bleibt das Beschäftigungsverhältnis mit der Werkstatt bestehen und der Arbeitgeber zahlt der Werkstatt lediglich den Betrag für die Arbeitsleistung. Dieser kann zudem zu 50 Prozent auf die Ausgleichabgabe des Arbeitgebers angerechnet werden. Sechs Menschen mit Behinderung aus dem BBB und 15 Menschen aus den Arbeitsbereichen der Werkstätten erproben sich derzeit – betreut vom Integrationsassistenten der Lebenshilfe Heidelberg – in einem Praktikum oder auf einem Außenarbeitsplatz.

„Am Anfang herrscht oft eine gewisse Unsicherheit. Das ändert sich dann meistens ganz schnell, vor allem, wenn die Motivation, Lern- und Leistungsbereitschaft stimmen“, berichtet Manfred Ripper von seinen Erfahrungen bei verschiedenen Arbeitgebern. „In fast allen Fällen ist die Zusammenarbeit ein echtes Win-Win-Modell. Unser Ziel bleibt es natürlich, dass die Außenarbeitsplätze nach einiger Zeit in ein reguläres sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis münden können.“

Gute Basis für die Zukunft

Auch für Desiree Schwarz wäre ein Außenarbeitsplatz oder später dann sogar ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis eine tolle Sache. Und auch die Kollegen im Seniorenzentrum Im Kranichgarten würden sich freuen, wenn es weitergeht: „Von unseren Alltagsbetreuerinnen möchte sie niemand mehr missen. Und auch die Bewohner der Wohngruppe haben Desiree allesamt ins Herz geschlossen“, so Jasmin Lenski. Im Dezember legt sie als Absolventin des Berufsbildungsbereichs der Werkstatt ihr Zertifikat in Hauswirtschaft und Alltagsbetreuung ab – eine gute Basis für die Zukunft im Berufsfeld ihrer Wahl.

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Pressekontakt:

Katrin Kanellos
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Lebenshilfe Heidelberg e.V.
Tel.: (06221) 339 23-13
E-Mail: katrin.kanellos@lebenshilfe-heidelberg.de