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"Teilhabe ernstgenommen": Erster Jahresempfang der Lebenshilfe Heidelberg

Über 100 Gäste folgten der Einladung in die Werkstatt in der Freiburger Straße

Donnerstag, 30.03.2017

„Inklusion ist kein Sachthema, Inklusion ist ein Herzensthema. Sie bedeutet ganz einfach: Du darfst so sein, wie du bist und du gehörst dazu, auch wenn du nicht immer alles mitmachen kannst - wie alle anderen Menschen es ja auch nicht können". Mit dieser prägnanten Aussage brachte der mehrfache Paralympics-Sieger Rainer Schmidt beim ersten Jahresempfang der Lebenshilfe Heidelberg und der Stiftung Lebenshilfe Heidelberg am vergangenen Sonntag auf den Punkt, was Teilhabe für ihn ausmacht. Angereichert mit zahlreichen Anekdoten aus seinem eigenen Leben und präsentiert mit einem Augenzwinkern bot sein unterhaltsamer Vortrag „Da kann ja jeder kommen – Teilhabe ernstgenommen“ viel Gelegenheit zum Nachdenken darüber, was Behinderung eigentlich bedeutet.

Jeder Mensch hat Einschränkungen, jeder Mensch hat Fähigkeiten

Schon das Wort Behinderung an sich regt zu Gedankenspielen an, wie er schnell deutlich machte. Auf die Frage, was er, der ohne Hände geboren wurde, wohl alles nicht könne, fielen dem Publikum viele Dinge ein: Knöpfe annähen? Einen Reißverschluss öffnen? Klavier spielen? Aber: Wer aus dem Publikum kann denn ebenfalls nicht Klavier spielen? Und sind all diejenigen dadurch „behindert“? Schnell wurde klar: Jeder Mensch hat Einschränkungen, jeder Mensch hat Fähigkeiten, es kommt nur auf den Kontext an. Die entscheidende Frage sei, so Schmidt, wie sich die Welt verändern müsse, wie das gesellschaftliche Miteinander, Arbeiten, Bildung, Wohnen und das kulturelle Leben gestaltet werden können, so dass jeder damit klar kommt und jeder seinen Platz finden kann.

Gäste aus allen Bereichen der Gesellschaft

Genau diese Frage steht im Mittelpunkt der UN-Behindertenrechtskonvention. Den achten Jahrestag deren Inkrafttretens in Deutschland hatte die Lebenshilfe Heidelberg als Datum für den Jahresempfang ausgewählt. Über 100 Gäste waren der Einladung gefolgt. Neben Selbstvertretern, Eltern, Angehörigen und Mitarbeitenden kam auch eine Vielzahl an Partnern aus Politik, Verwaltung und Gesellschaft in die Heidelberger Werkstätten in der Freiburger Straße, um sich kennenzulernen, auszutauschen und diesen wichtigen Meilenstein in Erinnerung zu rufen.

Projekte und Initiativen vorgestellt

Prof. Theo Klauß, Aufsichtsratsvorsitzender der Lebenshilfe Heidelberg, und die Wohnbeiratsvorsitzende Doris Riesterer berichteten den Gästen von den vielfältigen Projekten der Lebenshilfe Heidelberg, die dazu beitragen, das Gemeinwesen inklusiver zu machen. Diese reichen vom Büro für Leichte Sprache über die Gruppe lebensKUNST bis hin zum Beratungsangebot des Projekts Zukunft – allesamt Vorhaben und Initiativen, die natürlich auch finanziert werden müssen. Finanziell unterstützt werden die Projekte unter anderem von der Stiftung Lebenshilfe Heidelberg, deren Wirken der Sprecher des Kuratoriums der Stiftung Manfred Gaul den Teilnehmern vorstellte.

Fetzige Musik und gute Stimmung

Neben dem Vortrag von Rainer Schmidt und der Vorstellung von Verein und Stiftung kam auch der Spaß nicht zu kurz. Mit fetziger Musik sorgte die Inklusionsband Dany's Domino der Lebenshilfe Schwetzingen-Hockenheim für Stimmung auf der Veranstaltung, die von nun an jährlich zum gleichen Datum stattfinden soll. Denn, wie es Thomas Diehl, Vorstand der Lebenshilfe Heidelberg, an dem Abend verdeutlichte: „Die Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland im Jahr 2009 war ein großer Meilenstein und wir sind auf einem guten Weg. Aber wir sind noch lange nicht am Ziel.“

Eine Auswahl an Fotos vom Jahresempfang 2017 gibt es in der Bildergalerie zur Veranstaltung.